Schreibabys.

Schreibabys

Warum schreit unser Kind nur so heftig? - Wir haben doch alles getan, damit es ihm gut geht!

So oder ähnlich werden manche verzweifelten Eltern denken, nachdem sie nächtelang ihr innig geliebtes, sattes und frisch gewickeltes Baby herumgetragen haben. Alle Babys schreien, doch manche schreien mehr als andere und lassen sich nur schwer beruhigen. Auch wenn die Eltern alles Mögliche unternommen haben, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Manchmal scheint das Schreien stundenlang anzuhalten und besonders in den Abendstunden seinen Höhepunkt zu finden. Das Ein- und Durchschlafen gelingt häufig nur mit Hilfe aufwändiger Maßnahmen. Eltern, die mit ihrem Baby durch die Wohnung laufen, es stundenlang im Kinderwagen spazieren schieben oder nächtens auf dem Pezziball durch die Wohnung hopsen, gibt es nicht selten.

Wenn der Kinderarzt nach eingehender Untersuchung sowohl Erkrankungen, als auch organische Ursachen ausgeschlossen hat und das Baby seinem Alter gemäß gedeiht, werden vereinzelt noch immer Diagnosen wie Blähungen bzw. "Dreimonatskoliken" als Ursache für untröstliches Schreien gestellt. Blähungen sind jedoch seltener als angenommen verantwortlich für dieses alarmierende Schreien, welches die gesamte Familie in kaum vorstellbare Stresssituationen bis an die Grenzen totaler Erschöpfung manövriert - mit der Gefahr, sich selbst oder dem Kind Gewalt anzutun.

Das Phänomen des Schreibabys ist nicht neu. Früher nannte man diese Erscheinung "Schreistunde" oder "Nabelkoliken" und nahm es mehr oder weniger als gegeben hin. Man war der Ansicht, Kinder schreien, damit sie kräftige Lungen bekämen, und somit war dieses Schreien eher ein Ausdruck von Vitalität und Kraft. Heute sieht man eher die Not des schreienden Kindes und versucht, die Ursachen zu finden und dem Kind Erleichterung zu verschaffen.

Die Ursachen können sehr vielfältig sein und reichen von einfachen Blähungen über Allergien, Reizüberflutung, Stress und unpassender Schlafumgebung bis zum KISS-Syndrom und anderen Erkrankungen. Manchmal helfen daher auch schon einfache Hilfsmittel und veränderte Verhaltensweisen der Eltern, manchmal muss aber fast wie in Detektivarbeit nach der Ursache gefahndet werden.

In der Säuglingsforschung wird heute der Begriff "Regulationsstörungen der frühen Kindheit" verwendet. Manche sprechen von "Babys mit starken Bedürfnissen" oder "Schreibabys".

Unruhige Babys, die viel schreien, schlecht schlafen und in den Wachphasen zu verstärktem Quengeln und motorischer Unruhe neigen,  reagieren oft extrem auf Reize von außen. Sie können kaum abschalten, auch wenn sie müde sind. Ihre Sinne bleiben nach außen gerichtet, als verlangten sie nach mehr Unterhaltung, anstatt den Blick abzuwenden, sich gähnend zurückzuziehen und einzuschlafen. Eltern solcher Babys haben es schwer, das kindliche Verhalten richtig zu deuten und angemessen darauf zu reagieren.

Manchmal macht es Sinn in einem so genannten "Schrei-Tagebuch" genau aufzeichnen, wann, wie oft und in welchen Situationen das Baby schreit. Vielleicht werden bestimmte Situationen erkannt, in denen das Baby immer wieder mit Schreien reagiert. So können zukünftig diese Situationen umgangen und vermieden werden.

Wenn Eltern das Gefühl haben, nicht mehr weiter zu wissen und das Schreien nicht mehr aushaltbar ist, wird Hilfe von außen notwendig. Wichtig zu wissen ist, es geht vielen Eltern sehr ähnlich.

In Berlin gibt es unterschiedliche Orte und Einrichtungen, die Familien von Babys mit Schrei-, Schlaf- und Fütterproblemen beratend und stärkend zur Seite stehen. Dort können Eltern von Babys mit Regulationsstörungen lernen, das Verhalten ihres Babys richtig zu interpretieren. Mit Hilfe beruhigender Maßnahmen soll das Baby unterstützt werden, sein Gleichgewicht wieder zu finden.

Es gibt fortgebildete Hebammen in diesem Bereich. Bei Interesse nehmen Sie bitte Kontakt mit dem Berliner Hebammenverband auf. Ansonsten können Sie Ihre betreuende Hebamme nach bestehenden Angeboten fragen oder sich auf unserer Linkliste informieren.

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